Wenn Handballerinnen sportlich "fremdgehen"
Jahresausklang im Käfig

Jahresausklang einmal anders. Die Bundesliga-Frauen des VfL Oldesloe vertauschten die Handbälle mit Squashschlägern. Sponsoren, Sportjournalisten und Freunde mochten nicht kneifen und taten es ihnen nach. Bierernst ging es um den eigens gestifteten "Lancia-Cup" nicht zu. In geselliger Runde dominierten die geneigten Dilettanten, einige der 17 Teilnehmer standen zum ersten Mal in diesen sogenannten "Squash-Käfigen" und versuchten sich in dem schnellen Spiel.

Routiniert, aber etwas kurzatmig: Physiotherapeut Ralph Gericke, Sieger der Trostrunde, nahm nach hartem Kampf mit hochrotem Kopf gegen Torhüterin Petra Küsel vorsichtshalber die Schocklage ein und legte die Füße hoch. Mona Münstermann, Marion Werner, Alexandra Hoffmann, Irina Derr und Andrea Hasenberg glänzten durch großes Laufpensum, gegen die hart aufschlagende männliche Konkurrenz gerieten sie aber meist ins Hintertreffen. Trainer Claus Schilk mochte nicht abseits stehen, der Ohne-Filter-Raucher scheiterte mit seinem High-Tech-Schläger erst im Halbfinale.

Beim anschließenden Spanferkel-Essen in den neuen Räumen der Bargteheider Lancia-Vertretung Mittag hatte Babette Bischoff allen Grund zum Jubeln. Weil sie wegen ihres Bänderrisses nicht mitspielen konnte, stiftete Turniersieger Peter Ziegfeld ihr den Hauptpreis - einen Tennisschläger.

Ahrensburger Zeitung - 2.1.1993

Handballmüde? Noch lange nicht!
Claus Schilk vom VfL Oldesloe steht Rede und Antwort

AZ: Nach dem 12:27 Debakel beim TSV Nord Harrislee ist der Meisterschaftszug endgültig ohne den VfL Oldesloe abgefahren. Befürchten Sie jetzt einen psychologischen Knacks in der Mannschaft?

CS: Nein, im Gegenteil. Eine Trotzreaktion war im Training deutlich zu spüren. Ich bin sicher, Empor Rostock wird es heute abend sehr schwer haben. Außerdem haben wir aus dieser Niederlage in Harrislee gelernt. Nachdem es mehr als drei Jahre nur aufwärts ging, haben wir einen Tag erlebt, an dem einfach gar nichts lief. Doch solche Erfahrungen gehören zum Sport dazu.

AZ: Welche Perspektiven sehen Sie für die restliche Spielzeit?

CS: Sicherlich ist der Meisterschaftszug ohne uns abgefahren. Aber unser Saisonziel war ein Platz in der Spitzengruppe, als Tabellenvierter liegen wir daher noch gut im Soll. Zudem haben wir alle schwierigen Auswärtsspiele bei den Bundesliga-Absteigern hinter uns. In der Rückrunde werden die Karten neu gemischt. Bedauerlich ist nur, daß die Plätze zwei und drei im Sport kaum zählen. Wichtig für uns ist auch noch der DHB-Pokalwettbewerb, wo wir die Runde der letzten 32 Mannschaften erreicht haben. Und die Aufgabe beim Oberligisten Ebersdorf am 20. Februar dürfte lösbar sein.

AZ: Mit sieben Feldspielerinnen und der Aussage "diese Mannschaft ist stärker als die vorherige" sind sie in die Saison gestartet. Stehen Sie noch dazu?

CS: Ja, auf jeden Fall. Denn unabhängig vom Tabellenstand muß man die Relationen im Auge behalten. Die gesamte 2. Bundesliga ist durch vier Bundesliga-Absteiger erheblich stärker geworden. So rangiert der letztjährige Vizemeister Hastedt zur Zeit abgeschlagen auf Rang 9. Eilbeck und Frankfurt/Oder, letztes Jahr noch im gesicherten Mittelfeld, kämpfen gegen den Abstieg.

AZ: Welche Ursachen sehen Sie für die Auswärtsniederlagen bei den direkten Konkurrenten?

CS: Was uns fehlt, ist die Erfahrung. Bis auf Andrea Hasenberg und Zsuzsa Nyari hat die Mannschaft ein extrem junges Durchschnittsalter von rund 20 Jahren. Zudem konnten unsere Konkurrenten aus Berlin, Rostock, Wismar und Nord Harrislee ein Jahr in der 1. Bundesliga wertvolle Erfahrungen sammeln.

AZ: Gibt es bei Trainer Claus Schilk Verschleißerscheinungen oder sogar eine gewisse Handball-Müdigkeit?

CS: Nein. Ich bin zwar abgeklärter und ruhiger geworden, aber lustlos oder müde bin ich deshalb noch längst nicht. Allerdings sollte es nach vier Jahren Trainertätigkeit grundsätzlich immer richtig sein, die Trainerfrage zu diskutieren. In dieser Saison kam durch die sportliche Zusammenarbeit mit Thomas Gloth frischer Wind in die Trainingarbeit, das könnte eine Basis für die Zukunft sein.

AZ: Ist der sportliche Höhenflug beendet oder bleibt Erstliga-Handball in der Stormarnhalle weiter das Ziel?

CS: Das Ziel für die Saison 1993/94 heißt erste Bundesliga. Allerdings müssen noch Weichen gestellt werden.

AZ: Welche Bedingungen müßten erfüllt werden?

CS: Im Umfeld muß eine breitere Basis geschaffen werden, um das Unternehmen Bundesliga-Handball auf finanziell gesunde Füße zu stellen. Ein weiterer Schritt ist gemacht: Neben Glaxo, Oldesloer Korn und Gloria Mehl haben sich mit Lancia und Minimax zwei weitere Unternehmen unserem Hauptsponsoren-Pool angeschlossen. Aber solange die norddeutsche Konkurrenz wie der Buxtehuder SV, TSG Wismar und Nord Harrislee wesentlich höhere Etats hat, sind wir in der 1. Bundesliga nicht überlebensfähig. Zudem muß die gesamte Marketing-Arbeit noch besser organisiert werden.

AZ: Mit welchen Spielerinnen planen Sie in der Zukunft? Gab es schon Vertragsgespräche?

CS: Die Vertragsverhandlungen sind fast abgeschlossen. Von Vereinsseite ist geplant, die auslaufenden Verträge mit Andrea Hasenberg, Roswitha Bein, Mona Münstermann und Babette Bischof zu verlängern. Den Anfang hat hat vor einigen Tagen Alexandra Hoffmann gemacht, die zwei weitere Jahre beim VfL Oldesloe bleibt. Zusätzlich ist geplant, die Mannschaft auf zwei Positionen zu verstärken.

Ahrensburger Zeitung - Soenke Schulenburg, 23.1.1993

Oldesloe will mit Schilk aufsteigen

Bei den Zweitliga-Handballerinnen des VfL Oldesloe ist nach der Vertragsverlängerung von Trainer Claus Schilk Ruhe eingekehrt. Die Vorbereitungen auf die kommende Spielzeit laufen auf Hochtouren.

"Wir wollen in die Bundesliga", ist das klare Ziel von Schilk. Die Differenzen zwischen dem Verein und ihm sind ausgeräumt, nun kann sich der engagierte Coach wieder ganz auf sein Arbeit konzentrieren. Nachdem man sich mit der Schwartauerin Katrin Behnke einig geworden ist, stehen derzeit noch Verhandlungen mit vier weiteren Spielerinnen dicht vor dem Abschluß. Der "neue VfL" nimmt immer mehr Form an, die Mannschaft soll Ende diesen Monats endgültig stehen.

Die derzeitige Mannschaft wird zusammenbleiben, lediglich Andrea Hasenberg spielt mit dem Gedanken, aufzuhören. Trainer Schilk will aber alles daransetzen, die gebürtige Oldesloerin noch für ein weiteres Jahr zu halten.

Auch im Umfeld wird sich in Zukunft viel tun. Erstmals wurde mit der Begegnung gegen Frankfurt (20. März) ein Spiel direkt verkauft. Anläßlich der Neueröffnung kaufte die Lancia-Vertretung in Bargteheide alle Karten auf und wird sie am Samstag kostenlos an die Fans verteilen.

Zum erwarteten Knüller entwickelt sich das Pokalspiel gegen Buxtehude am 7. April. Schon jetzt ist klar, daß die Stormarnhalle aus allen Nähten platzen wird. Aufgrund der vielen Vorbestellungen werden nur noch 90 Karten in den freien Verkauf kommen.

Lübecker Nachrichten - 14.3.1993

Oldesloerinnen kämpften verzweifelt, aber erfolglos
Handball-Pokal: Buxtehuder SV behielt mit 29:21 die Oberhand

Die Pokalsensation fand nicht statt, die heimlichen Hoffnungen sind geplatzt: Mit 29:21 unterlagen die Handballdamen des VfL Oldesloe gestern abend dem Erstliga-Vertreter vom Buxtehuder SV und schieden damit im Achtelfinale des Cup-Wettbewerbs aus.

Schwacher Trost für die Gastgeber: Das scheinbar klare Ergebnis täuscht ein wenig über die wahren Kräfteverhältnisse hinweg, der VfL wurde an diesem Abend unter Wert geschlagen.

Denn die Gastgeberinnen überraschten in der mit gut 500 Zuschauern restlos ausverkauften Stormarnhalle zumindest bis zur Pause mit frechem Spiel. Zwar ging der Favorit mit 1:0 in Führung, doch schon im Gegenzug glich der VfL aus. Im torreichen Auftakt wirkte der VfL immer eine Spur ausgeschlafener, ging nach 10 Minuten gar 6:4 durch Marion Werner erstmals mit zwei Treffern in Führung. Absetzen konnte sich die Gastgeberinnen nicht, der Erstligist nutzte konsequent die Abwehrschwächen und blieb dran.

In der von den Gästen bisweilen überhart geführten Partie sah es lange zumindest so aus, als könne Oldesloe bis zur Pause das Remis halten. Kurz vor dem Seitenwechsel scheiterte aber Marion Werner zweimal binnen Sekunden bei Gegenstößen völlig freistehend - Buxtehude schraubte per Siebenmeter das Ergebnis auf 12:10.

Eine Führung, die letztlich die Wende einleitete. Gleich nach dem Wechsel erhöhten die Gäste gegen eine kurzfristig nachlässige VfL-Abwehr auf 13:10, ein Rückstand, dem die Gastgeberinnen fortan verzweifelt hinterherliefen. Buxtehude hingegen bewies in dieser Phase alle Cleverneß, die ein Top-Team auszeichnet, und konterte die viel zu ungestüm anrennenden Oldesloerinnen eiskalt aus, enteilten auf 20:14 (45. Minute), und mußten sich dabei nicht einmal übermäßig anstrengen. Der Traum vom Viertelfinale und der Pokalsensation, er war schon zu diesem Zeitpunkt in der Stormarnhalle zu Bad Oldesloe ausgeträumt. Der Rest war nur noch Statistik.

Als Gewinner ging der VfL derweil an anderer Front vom Feld: Im Rennen um die 18-jährige Ivonne Grimm (Berlin) gab man dem alten Konkurrenten VfL Bad Schwartau das Nachsehen. Die 20-fache Junioren-Nationalspielerin - Freundin des Schwartauer Talentes Ricardo Protze - tritt bei der Kreissparkasse Stormarn eine Ausbildung zur Bankkauffrau an und verstärkt des Rückraum des VfL.

Lübecker Nachrichten - 6.4.1993

Die Gegengerade

- Die Stormarnhalle drohte aus den Nähten zu platzen. Mehr als 500 Zuschauer hatten sich zum "Spiel des Jahres" eingefunden. Als die Schiedsrichter aufforderten, die Stehplätze hinter den Trainerbänken zu räumen, spitzte sich die drangvolle Enge zu. Weise Entscheidung der Unparteiischen, sie erlaubten, daß rund 50 Fans auf dem einen Meter breiten Streifen neben dem Spielfeld an der Fensterseite stehen durften. Zum erstem mal hatte die Stormarnhalle eine Gegengerade.

- In unliebsamer Erinnerung wird VfL-Vorsitzender Walter Busch die Pokal-Begegnung behalten. Nach 10 Minuten löste sich durch die Vibrationen der Holzstock, mit dem das Fenster der Sprecherkabine offengehalten wird, traf Walter Busch am Kopf und fiel auf das Spielfeld. Die Partie mußte unterbrochen werden. der VfL-Vorsitzende kam mit dem Schrecken und einer Beule davon.

- Marion Werner hat eine vom Juniorinnen-Bundestrainer Peter Ammann verordnete Denkpause erhalten und fährt über Ostern nicht mit zum Vier-Länder-Turnier nach Frankreich. Ammann hatte der Linksaußen "fehlende Einstellung" vorgeworfen. Das Aus für die Weltmeisterschaft im September in Bulgarien bedeutet dies nicht.
Ahrensburger Zeitung - 10.4.1993

Stormarner Tageblatt vom 23.4.1993


"Wir fegen TSG Wismar aus der Halle"
VfL-Trainer Claus Schilk optimistisch vor letztem Saisonspiel - Riesenandrang erwartet

In einem Punkt sind sich Claus Schilk und Udo Höller (Wismar) vor dem Spitzenspiel der 2. Bundesliga am Sonnabend in der Stormarnhalle einig. Die 10:39 Niederlage des KSV Holstein Kiel beim TSV Nord Harrislee, durch die die Voraussetzungen für das Saisonfinale verändert wurden, haben sie kein Verständnis. "Das Ergebnis ist eine Schweinerei. Mit solch einer Einstellung gehört Holstein Kiel nicht in die 2. Bundesliga", drückt es der VfL-Trainer drastisch aus.

"Die Kieler Mädchen, die sich gegen uns noch zerrissen haben, haben nicht sehr sportlich gehandelt", ordnet Höller das Resultat ein, durch das seine Mannschaft nun gezwungen ist, in Oldesloe mindestens einen Punkt zu holen, um Meister zu werden und aufzusteigen.

"Das wird sehr schwer werden, denn wir wissen, wie stark der VfL daheim ist. Aber wir werden und wollen uns den ersten Platz am letzten Spieltag nicht mehr nehmen lassen", gibt sich der Wismarer Coach dennoch zuversichtlich.

Da hält Schilk voll dagegen: "Meine Mannschaft ist heiß auf dieses Spiel. Sie hat in der Woche wie aufgedreht trainiert. Wenn wir das im Spiel umsetzen können, dann fegen wir Wismar aus der Halle.", macht er aus seinem Vorhaben, dem Spitzenreiter die Suppe zu versetzen, keinen Hehl.

Er kann auf alle Spielerinnen seines Kaders setzen, Höller muß auf Nicole Hübner und wahrscheinlich auf Anke Koop verzichten. Nicht entgehen lassen werden sich die Fans das Spitzenspiel. Die Stormarnhalle wird knüppeldick voll werden. Allein nach Wismar sind im Vorverkauf 120 Karten gegangen und auch in Oldesloe ist der Run auf die rund 500 Plätze riesengroß.

Stormarner Tageblatt - 30.4.1993

Der Leitwolf verläßt das Rudel
Andrea Hasenberg - letzter Auftritt für den VfL Oldesloe

Bisher war es immer sie, die Blumensträuße überreichte. Jetzt bekommt Andrea Hasenberg selbst einen. Sie läuft zu ihrem letzten Punktspiel für den VfL Oldesloe auf. Seit 1972 spielt die 32-jährige Handball, war mit dem VfL deutscher Jugendmeister, stieg bis in die 2. Liga auf. Gegen die TSG Wismar streift sie zum letztem Mal das Oldesloer Trikot über: "20 Jahre sind genug".

"Ich habe alles erreicht, was ich wollte", sagt Andrea Hasenberg. "Jetzt brauch ich auch 'mal Zeit für mich". Endlich will sie Tennis oder Squash spielen - und einfach Urlaub machen. Für sie ist der Rücktritt ein Gewinn, für den VfL ein Verlust. "Sie ist bekannter als der Bürgermeister", sagt ihr Trainer Claus Schilk, "denn sie ist die letzte gebürtige Oldesloerin in der Mannschaft".

In der Schule bekam sie zum ersten Mal einen Ball in die Hand, mit 12 stand sie zum ersten Mal für den VfL auf dem Parkett und heute gehört sie zu den Leistungsträgerinnen des Zweitligisten. "Ich bin kein Riesentalent, ich mußte mir alles hart erarbeiten." Auf ihrem sportlichen Weg war sie sich für nichts zu schade, auch als Kreisläuferin nicht: "Der mieseste Job im ganzen Team."

Motiviert hat sie der Erfolg. "Die deutsche Meisterschaft mit der A-Jugend 1979 war mein schönstes Erlebnis." Ein besonderes Jahr in der Karriere der damals 18-jährigen, denn zwei Wochen nach dem Titelgewinn wurde sie mit ihrer Schulmannschaft Vize-Meister bei "Jugend trainiert für Olympia".

Es folgte das einzige Gastspiel in einem anderen Verein: Von 1979 spielte sie für zwei Jahre bei Union 03 Berlin in der 1. Bundesliga. "Doch dann wechselten die meisten aus der ehemaligen A-Jugend in die erste Damenmannschaft des VfL, da bin ich auch wieder zurück."

Seit dieser Zeit hat die Kreisläuferin in Oldesloe viel mitgemacht, hat viele Spielerinnen kommen und gehen sehen. "Als letzte der alten A-Jugend bin nur noch ich dabei."

Angefangen in der Bezirksliga, arbeitete sie sich mit dem VfL von der Oberliga hoch bis in die 2. Bundesliga. "Und dann im ersten Jahr gleich Meister - das war schon toll."

Für den Aufstieg in das Handball-Oberhaus reichte es im vergangenen Jahr nicht. Andrea Hasenberg wertet das im Nachhinein positiv: "In der zweiten Liga können wir oben mitspielen, in der ersten wären wir nur Punktelieferant geworden." Für die erfolgsorientierte Spielerin die schlechtere Alternative, denn für sie ist nichts schlimmer, als unten herumzukrebsen.

Zudem wäre damit mehr Training und Fahrten durch ganz Deutschland verbunden - noch mehr Abende und Wochenenden. "Wären wir aufgestiegen, hätte ich schon im letzten Jahr aufgehört."

Jetzt ist aber endgültig Schluß, jetzt will sie ihre Freizeit ohne Termin- und Trainingsstreß planen können. "Wenn meine Freunde am Wochenende etwas unternahmen, konnte ich nie mit - das wird jetzt hoffentlich anders."

Den Zeitpunkt für ihren Rücktritt hat sie sich genau überlegt. "Mir war wichtig, den Abschied selbst zu bestimmen. Noch bin ich erste Wahl und kann gut mithalten." Zwar kostet das Konditionstraining mittlerweile viel Kraft und Überwindung, aber im Spiel macht sie vieles durch Routine wett.
Ruhe und Routine zeichnet sie auch als Mannschaftskapitän aus. "Sie ist der Leitwolf des Teams", beschreibt VfL-Trainer Schilk ihre Position, "wenn sie weg ist, wird es eine neue Hackordnung geben."

Vorstellen kann sich Andrea Hasenberg ihren Abschied nicht. Das mulmige Gefühl im Bauch, der letzte Applaus - "Ich habe ein bißchen Angst davor." Ihr wirklich letzter Auftritt im Bundesliga-Dress steht dem Fossil am 4. Juni bevor. da soll sie noch einmal gegen ihre alte A-Jugend antreten.

Im nächsten Jahr will sie noch in der VfL-Zweiten aushelfen. Ihren Ehrgeiz wird sie mitnehmen: "Vielleicht schaffen wir es dann endlich, aufzusteigen."

Stormarner Tageblatt - Cordula Rassow 30.4.1993

Sportplatz - Miteinander

Die Zeit der Lichterketten scheint vorbei zu sein. Jedenfalls ist von diesen Demonstrationen gegen Ausländerfeindlichkeit nichts mehr zu hören und zu sehen gewesen. Dabei sind Übergriffe gegen ausländische Mitbürger leider immer noch gang und gäbe.

Beispielsweise vor vier Wochen in Wismar. Da wurde eine junge Frau auf offener Straße von offenkundig angetrunkenen Jugendlichen zusammengeschlagen. Das Opfer: Eine Polin.

Die Meldung hätte sicher kaum Aufmerksamkeit gefunden, wäre nicht das Opfer bekannt und prominent gewesen. Es handelte sich um Goshia Schmielewski, die Torhüterin der TSG Wismar, Spitzenreiter der 2. Liga der Handballdamen.

Von ihren Verletzungen ist sie inzwischen genesen, so daß sie morgen im entscheidenden Spiel gegen den VfL dabei sein kann. Vom Hamburger Sportbund haben sich die Oldesloer Trikots mit der Aufschrift  "Sport mit Ausländern - miteinander!" besorgt.

Mit ihnen werden die Oldesloerinnen und auch der Gegner aus Wismar, des sich dieser Aktion spontan anschloß, vor dem Spiel auflaufen. Eins schöne und nachahmungswerte Geste der Solidarität, die ihre Wirkung bei den Fans hoffentlich nicht verfehlt. Es wäre gut, wenn die mit den Teams "gemeinsame Sache" machen würde.

Stormarner Tageblatt - 30.4.1993

Warten auf den Anruf

Wenn morgen in der Stormarnhalle die Partie Oldesloe gegen Wismar angepfiffen wird, steigt der Adrenalinspiegel nicht nur bei den beteiligten Trainern - ein Dritter wird dieses Spiel ebenfalls mit erhöhtem Puls verfolgen: Heie Jacobsen, Verantwortlicher des TSV Nord Harrislee. Für den Tabellenzweiten ist der Ausgang des Spiels von entscheidender Bedeutung: Gewinnt der VfL, ist Harrislee Meister und steigt auf.

Heie Jacobsen, der mit seiner Mannschaft zeitgleich beim Berliner VB aufläuft, wird über das Spiel in Oldesloe jederzeit informiert sein. "Unser Jugendtrainer wird mit seinem Mobiltelefon auf der Tribüne sitzen."

Jacobsen, der trotz der Aufstiegschance vorerst für die zweite Liga geplant hat, sieht die Situation gelassen. "Wir können ohnehin nichts machen. Nur sitzen und warten. Schilk spielt die entscheidende Rolle. Er hat es in der Hand. Wenn er seine Mannschaft dazu bringt, dieses Spiel zu gewinnen, sind wir Meister." Das hätte nach seiner Meinung auch für den VfL Oldesloe einen Vorteil. "Das ist eine ganz einfache Sache. Wenn die gewinnen, müssen sie in der nächsten Saison gegen uns keine Punkte abgeben."

Stormarner Tageblatt - 30.4.1993

Feiern durfte nur der Gegner
TSG Wismar steigt nach 15:15 in Bad Oldesloe in die Bundesliga auf

Abgekämpft und ein wenig niedergeschlagen standen die Handballdamen in der Oldesloer Stormarnhalle und schauten wehmütig dem ausgelassenen Meisterschaftstreiben zu. Das 15:15 beim VfL Oldesloe reichte dem Tabellenführer TSG Wismar zur vielbejubelten Meisterschaft. Der VfL Oldesloe beschließt die Saison als Tabellenvierter.

"Nie mehr zweite Liga" stimmten mehr als 200 mitgereiste Handball-Fans aus Wismar an und feierten frenetisch den direkten Aufstieg ihrer Mannschaft in die erste Bundesliga. Sektkorken knallten, Schaumwein floß aufs Spielfeld und die TSG-Spielerinnen baten ihre treuen Anhänger zum Tänzchen am Mittelkreis. Die freudige Erleichterung bei den Gästen war allzu verständlich: Hätte der VfL Oldesloe die entscheidende Partie gewonnen, wäre der TSV Nord Harrislee aufgestiegen.

Bei den Gastgeberinnen, die sich in eigener Halle wie beim Auswärtsspiel fühlten, krochen bittere Erinnerungen hoch. Im vergangenen Jahr hatte der VfL selbst noch die Meisterschaft in der 2. Bundesliga bejubelt. Doch der Aufstieg war den Stormarnerinnen nicht vergönnt. Sie waren in der damals notwendigen Relegationsrunde nur knapp gescheitert. Ausgerechnet am Konkurrenten GW Frankfurt, der nach nur zwei Spielen die Mannschaft wegen finanzieller Schwierigkeiten zurückziehen mußte.

Aufrichtige Glückwünsche nahm TSG-Trainer Udo Höller von seinem Oldesloer Gegenspieler Claus Schilk entgegen. "Wir haben alles gegeben. Niemand wird uns nachsagen können, wir hätten versucht, auf unsportliche Weise die Meisterschaft zu entscheiden", sagte Schilk mit deutlichem Seitenhieb auf den TSV Nord Harrislee. Der Tabellenzweite aus Nord Harrislee hatte Holstein Kiel am Vorwochenende mit 39:10 abgerammt - ein Ergebnis, das nicht nur bei VfL-Trainer Schilk den Eindruck hervorgerufen hatte, "daß im Norden Schleswig-Holsteins kräftig geschoben wurde."

Im südlicher gelegenen Bad Oldesloe kämpften hingegen beide Mannschaften verbissen um den Sieg. Bitter: VfL Torhüterin Petra Küsel, die bis zur 44. Minute zwischen den Pfosten brillierte, verletzte sich bei einem Zusammenprall so schwer am Knie, daß sie mit Verdacht auf Innen- oder Kreuzbandschaden ins Krankenhaus gebracht werden mußte.

An Spannung und Dramatik war de Partie, die von starken Deckungsreihen geprägt wurde, kaum noch zu überbieten. Besonders die Schlußminute, die wegen zahlreicher Unterbrechungen an die drei Minuten dauerte, hatte es in sich: Erst brachte Gabriele Rösler die Gäste mit 15:14 in Führung. VfL trainer Schilk reagierte, nahm 42 Sekunden Torfrau Alexandra Hoffmann heraus und schickte dafür Mona Münstermann als siebte Feldspielerin in die Begegnung. Marion Werner erzielte dann den 15:15 Ausgleich. Obwohl der VfL mittels offener Manndeckung nochmals in Ballbesitz kam, scheiterte der Angriff.

Den Gegenzug Wismars verhinderte Ingrid Schilk mit energischem Klammern. Für die ehemalige Nationalspielerin und Trainer-Frau war der kürzeste Kurzeinsatz ihrer gesamten karriere damit schon nach wenigen Sekunden beendet, sie kassierte eine "Zwei-Minuten-Strafe".
Immerhin: Der VfL wahrte auch gegen den Spitzenreiter seinen Heimnimbus und gab zuhause den ersten und einzigen Punkt in der Saison ab.

Ahrensburger Zeitung - 3.5.1993

 

08.06.1993 - Andrea Hasenberg verabschiedet sich

 

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