Handball-Frauen auf Heimcomputer

Rechtzeitig vor dem Saisonstart in knapp zwei Wochen präsentiert der VfL Oldesloe seinen Anhängern einen neuen kostenlosen Service: Die zweite Bundesliga auf einer 3,5-Zoll-Diskette. Voraussetzungen: Der geneigte Handballfan muß einen PC (mindestens 386-er Baureihe, Windows 3.1 oder 3.11) sein eigen nennen.

Das Programm enthält wissenswertes über alle Spielerinnen des VfL (bisheriger sportlicher Werdegang, Hobbys und Kurzlebenslauf), Sponsoren, Trainer und Co-Trainer sowie dem Physiotherapeuten. Auch über die Zielsetzung, die in zwei Jahren den Aufstieg in erste Bundesliga avisiert, ist via Bildschirm zu lesen. Highlight in der Handball-Software ist ein kompletter Spielplan und ein Tabellenprogramm, das nach Eingabe der Ergebnisse die aktuelle Tabelle errechnet. Nach jedem Spieltag kann der Diskettenbesitzer seine eigene Tabelle bauen.

Ein Preisrätsel mit attraktiven Preisen (1. Preis - Trainingsanzug des VfL Oldesloe, 2. Preis - Flugsimulator von Microsoft, 3. Preis - eine Sporttasche) rundet das Angebot ab. Das Preisrätsel kann ausgedruckt und bis zum 1. Dezember 1995 eingeschickt werden. Zehn Fragen sind zu beantworten, beispielsweise, welche Eintrittspreise angemessen sind oder ob die VfL-Mannschaft verstärkt werden muß.

Die Oldesloer Sport-Marketing (OSM) hat die von ihr entwickelte Handball-Software urheberrechtlich schützen lassen. Nicht nur Oldesloer Dauerkarten-Besitzer erhalten die Diskette gratis. Kostenlos ist die Software auch bei den Handballsponsoren in der Sparkasse Stormarn und im Baumarkt Hass und Hatje erhältlich. Die Kosten für das in Eigenarbeit entwickelte Computerprogramm, hoffen die Verantwortlichen der OSM, von anderen Klubs wieder hereinzuholen. So haben der TBV Lemgo, Handball-Pokalsieger der Männer, sowie Eintracht Nordhorn und SG Leutershausen bereits Interesse an der Lizenz bekundet.

Ahrensburger Zeitung vom 11.9.1995

Die VfL - Damen wollen wieder oben mitmischen
Das Profil der Mannschaft hat sich stark verändert

Die Vorbereitung ist vorbei. Heute steigt für die Handballdamen des VfL Oldesloe im Pokal bei Holstein Kiel das erste Pflichtspiel. Eine Woche später beginnt in der zweiten Bundesliga Gruppe Nord wieder der "Ernst des Lebens". Für die Stormarnerinnen ist es die fünfte Saison in der zweithöchsten Spielklasse. Stets haben sie dabei in der Spitze mitgespielt, aber zum Sprung in die erste Liga hat es nie ganz gereicht. In diesem Jahr will das Team einen neuen Anfang nehmen. Mit Ehrgeiz, aber ohne sich unter Druck zu setzen. "Wir wollen, aber wir müssen nicht", bringt es Trainer und Manager Claus Schilk auf den Punkt.

Der Macher im Oldesloer Damenhandball trägt in dieser Saison wieder auf beiden Schultern. Eineinhalb Jahre nachdem er das Traineramt nach Krach mit der mannschaft niedergelegt hatte - Manager war er geblieben - sah er sich wieder in die Pflicht genommen, als Otto Sternberg im Juni zum Erstligisten Buxtehuder SV wechselte.

Ein Schritt, den Schilk auch im Abstand von drei Monaten mit sehr gemischten Gefühlen betrachtet: "Das war ein Schlag ins Kontor, der alle unsere Planungen über den Haufen warf." Verständnis bringt er dabei für Sternberg insoweit auf, "weil es natürlich ein besonderer Reiz ist, in der höchsten Klasse zu trainieren. Dort gibt es auch erheblich mehr als in Oldesloe zu verdienen".

Aber der Zeitpunkt, zu dem der frühere DHB - Trainer seinen Wechsel vollzog, liegt ihm im Magen. "Wir haben gut mit ihm zusammengearbeitet und er hatte die Mannschaft bekommen, wie er sie sich gewünscht hatte", macht er deutlich, daß zum Zeitpunkt des Wechsels schon alle Weichen gestellt waren.

Nicht zuletzt bei Schilk selbst. "Eine Doppelfunktion hatte ich für mich selbst völlig ausgeschlossen. Ich wollte mich auf meine Tätigkeit als Manager konzentrieren, aber Ersatz für Sternberg war auf dem abgegrasten Markt kurzfristig nicht zu finden," schildert er seine Zwangslage.

Wie sehr ihm eine neuerliche Übernahme des Trainerjobs fernlag, läßt sich auch für Außenstehende nachvollziehen. Im Frühjahr übte Schilk im Umfeld des Gastspieles der Schweizer Nationalmannschaft heftig Kritik am schleswig-holsteinischen Verband. Einige Funktionäre fühlten sich dadurch derart auf den Schlips getreten, daß sie ein Verfahren gegen ihn anstrengten. Folge: Schilk wurde mit einer Sperre (als Trainer) für ein Jahr belegt.

Da er absolut nicht vorhatte, erneut für irgendein Team verantwortlich auf die Bank zu gehen, legte der Oldesloer nicht einmal Widerspruch gegen den Bannspruch ein. Das hat ihn, als der Sternberg-Weggang perfekt war, erst richtig in die Zwickmühle gebracht. Seine Lösung: Er arbeitet ganz eng mit Co-Trainer Jens Willhöft zusammen. Im Training, bei den taktischen Absprachen. Aber auch beim Coaching von der Bank, die für Schilk bis zum 27. Mai 1996 tabu bleibt, will der Manager versuchen, durch geschickte Wahl seines Sitzplatzes auf Tuchfühlung zu seinem Vertreter zu bleiben.

Zum Trainerstab hinzugekommen ist Ulli Meyer. Nicht zuständig zwar für Training und Coaching (aus gutem Grund) engagiert er sich im Umfeld und wird das Bundesligateam bei Heimspielen von der Sprecherkabine aus präsentieren.

Ein Team, von dem Claus Schilk überzeugt ist, das nichts an Attraktivität gegenüber den Vorjahren eingebüßt hat. Wohl aber sein Profil verändert hat. Einschneidenster Verlust: Spielmacherin Roswitha Bein legt wegen ihres Studiums eine Pause ein. Sie selbst läßt die Dauer offen, Schilk hofft, sie spätestens im Januar wieder dabei zu haben.

Verlassen haben den VfL Oldesloe außerdem noch Alexandra Hoffmann, Vanessa Schack und Ivonne Bosza. Letztere ist in dieser Woche mit Aufsteiger SV Oldenburg / Holstein über einen Wechsel einig geworden.

Den Abgängen stehen aber auch sechs Neuzugänge gegenüber. Zwei davon sind Rückkehrerinnen: Eike Lange, die nach einjährigem Gastspiel in Buxtehude Abwehr und Kreisspiel verstärken soll, und Torhüterin Annette Schümann, die in den letzten vier Jahren beim TH Eilbeck aktiv war.

Mit Birgit Walter von Liga-Konkurrent Holstein Kiel und Martina Kattner stießen zwei weitere Linkshänderinnen zum VfL. "Das macht unseren Rückraum weniger berechenbar", freut sich Schilk über mehr Variationsmöglichkeiten.

Die frühere Juniorinnen-Nationalspielerin - zusammen mit Yvonne Grimm und Marion Werner - aus Norderstedt wird allerdings ebenso wie Annette Gerken (SC Buntekuh Lübeck) und Anneke Jansen (TSV Sasel) erst im Oktober für den VfL spielberechtigt sein. Grund: Mit den abgebenden Vereinen konnte man sich nicht über die Ablösen einigen.

"Das zusammen ergibt ein schlagkräftiges Team, mit dem wir uns hinter keinem Konkurrenten verstecken müssen", gibt sich Schilk für die Saison optimistisch.

Daß seine Mannschaft wegen des Fehlens von Roswitha Bein nicht als Favorit gehandelt wird, sieht der VfL-Coach eher als Vor- denn als Nachteil. Er selbst glaubt an eine breite Spitzengruppe in dieser Saison. Sein Top-Favorit ist der letztjährige Süd-Vizemeister, Süd Braunschweig, der sich mit den russischen Nationalspielerinnen Tatjana Gorb und Tatjana Olexius im Rückraum enorm verstärkt hat.

VB Berlin, den VfL Oldenburg und den Hastedter SV zählt Schilk außerdem zum Favoritenkreis. "Aber in dieser Gruppe wollen und werden wir mitmischen können", ist sich Schilk sicher, "denn guten Handball hat es in Oldesloe auch vor Sternberg gegeben und wird es auch nach ihm geben."

Stormarner Tageblatt - 16.9.1995

Ärger um Hallenzeit: Handball-Frauen sollen weichen - Zweitliga-Mannschaft soll auf dritte Trainingszeit verzichten - Problem seit Monaten bekannt

Das Oldesloer Sport-Publikum ist anspruchsvoll und verwöhnt. Vor allem von den Zweitliga-Handballerinnen des VfL oldesloe erwartet es viel: In Heimspielen kommt auf den Rängen nur dann wirklich gute Stimmung auf, wenn die Spielerinnen auf dem Feld mit der entsprechenden Leistung glänzen. Allerdings hatten die Stormarner Zuschauer in den vergangenen Jahren auch häufig Grund zur Begeisterung - die guten Zweitliga-Plazierungen un der mehrfach nur knapp verpaßte Aufstieg in das Oberhaus sprechen eine deutliche Sprache.

Ob die Oldesloerinnen dieses spielerische Niveau in Zukunft allerdings halten können, ist fraglich. Der Grund: Nach Ende der Herbstferien wird ihnen eine ihrer Trainingszeiten gestrichen. "Damit haben wir dann nur noch zweimal pro Woche die Halle zur Verfügung", sagt VfL-Trainer und Manager Claus Schilk - und das reicht erfahrungsgemäß nicht aus, um weiterhin den hohen Standard der zweiten Bundesliga zu halten.

Jeweils mittwochs muß das Oldesloer Sport-Aushängeschild jetzt die halle für die Hockeyspieler des THC Blau-Weiß Bad Oldesloe räumen. "Das Problem war den Verantwortlichen seit über sechs Wochen bekannt", ärgert sich der Coach, "aber bei ihren Überlegungen ist offenbar nichts herausgekommen. Wir haben jetzt von offizieller Seite die Mitteilung bekommen, daß es keine Lösung für uns gäbe."

Quantität contra Qualität, Breitensport contra Spitzensport - auf diese Formel kann der Konflikt im VfL zusammengefaßt werden. "Wir Handballer haben zwar ein Zweitliga-Team, sind aber wahrscheinlich beim Training zu wenige", vermutet Claus Schilk, "dabei trainiert keine unserer sieben Mannschaften je allein." Anders geht es da der Oldesloer Tanzabteilung. "Die hat mit ihrer entsprechenden Lobby ihre Hallenzeiten in den vergangenen Jahren kontinuierlich aufstocken können."

Stormarner Tageblatt vom 12.10.1995

Punktabzug und Pokal-Aus zehren an den Nerven der Oldesloer Handball-Frauen
Appell an die Fans: Laßt uns nicht im Stich

Der 20:19 Erfolg über Germania List kann nicht darüber hinwegtäuschen: Die Handball-Frauen des VfL Oldesloe stecken scheinbar in einer schweren sportlichen Krise. Knapp 200 Zuschauer sahen in der Stormarnhalle ein Festival der technischen Fehler und ausgelassener Chancen. Der Punktabzug seitens des DHB und der dadurch bedingte Sturz ans Tabellenende scheint dem Zweitliga-Klub aus Stormarn mächtig aufs Nervenkostüm geschlagen zu sein.

Zwar begannen die Gastgeberinnen eindrucksvoll und konzentriert, doch die starke Anfangsphase verschaffte keinerlei Selbstsicherheit. Im Gegenteil: Nach 20 Minuten paßte sich der VfL dem schwachen Niveau der Gäste nahezu nahtlos an. Ratlosigkeit im Rückraum, Leichtfertigkeit im Umgang mit besten Torchancen und fehlende körperliche und geistige Frische zeichneten die Stormarnerinnen - mit Ausnahme von Jeanette Rochelmeyer und Torhüterin Silke Schwöbken - aus. Die Partie verdiente sich 40 Minuten lang das prädikat "Kellerduell", das ihr vom Tabellenstand ohnehin zustand.

Angesichts der erneuten Oldesloer Leistungsabfalls zeigte sich VfL-Trainer Claus Schilk ratlos: "Die Hektik und Panik. die nach 20 Minuten einsetzte, ist mir unverständlich." Schon in den Heimspielen gegen die beiden Spitzenmannschaften Braunschweig und Oldenburg hatten die Oldesloerinnen nach jeweils starkem Beginn kräftig abgebaut.

So stimmte denn der erste Sieg nach dem Abzug der vier Pluspunkte auch die VfL-Spielerinnen wenig glücklich. Gedrängt von ihren Mitspielerinnen entschloß sich Mannschaftsführerin Zsuzsa Nyari zu einem ungewöhnlichen Schritt: In der Pressekonferenz apellierte sie öffentlich und eindringlich an die durchweg enttäuschten Zuschauer: "Laßt uns bitte nicht im Stich. Wir brauchen eure Unterstützung - ganz besonders, wenn es nicht so gut läuft."

Daß es derzeit nicht gut läuft, war gegen Germania List augenfällig und scheint viele Gründe zu haben. Zum einen wirkt das Team ziemlich verunsichert, Rückraumschützen wie Birthe Wede, Ivonne Grimm oder Birgit Walther scheinen an einer kollektiven Wurfschwäche zu leiden. Einzig Jeanette Rochelmeyer (7 Tore) vermag sich momentan selbstbewußt und torgefährlich in Szene zu setzen. Zudem konnte bisher niemand Roswitha Bein (pausiert wegen ihres Examens) in der Rolle der Spielmacherin zu ersetzen. Der einst gefürchtete Tempogegenstoß des VfL Oldesloe ist zu einer stumpfen Waffe geworden. Spielzüge und einstudierte Kombinationen werden oft abgebrochen und mühsam neu aufgebaut.

Zudem fehlte gegen List mit Linksaußen Marion Werner überraschend eine der dynamischen Spielerinnen. Begründung von Trainer Schilk: "Marion hat eine Schulterverletzung. Im Training hatte sie sichtliche Probleme damit." Von Schilks Fürsorge hält die 22jährige, die sich die Partie von der Tribüne aus anschaute, wenig: "Ich weiß nicht, warum ich die Schulte ausgerechnet jetzt auskurieren soll," sagt sie leicht angesäuert. Schilk, der Marion Werner vor zwei Jahren aus disziplinarischen gründen auf die Tribüne verbannt hatte, behauptet zwar, der damalige Konflikt zwischen ihm und der ehemaligen Juniorinnen-Nationalspielerin sei längst begraben. Doch Schilk und Werner gelten als wenig kompromißbereite "Dickschädel". Ein erneutes Aufleben der Zwietracht scheint nicht ausgeschlossen.

Das allerdings wäre angesichts der Formschwäche fatal. Denn Ärger gibt es auch so genug. So scheint dem Team gerade noch eine einzige Hallenzeit zur alleinigen Verfügung zu stehen. Zwei weitere Trainingseinheiten absolvieren sie mit anderen Mannschaften, was die Übungsmöglichkeiten erheblich einschränkt. Lange Pässe, an denen es derzeit sichtlich hapert, können nur einmal wöchentlich geübt werden. "Wir können nicht bundesligagerecht trainieren", faßt Trainer Schilk die Misere zusammen. Abteilungsleiter Jürgen Dorn bekräftigt dies: "Wir haben alles versucht, aber der Handballabteilung fehlt eine Hallenzeit." Im Programmheft haben die Verantwortlichen darauf hingewiesen und den Vereinsvorstand kritisiert. Vorsitzender Walter Busch wies den Vorwurf der mangelnden Unterstützung für den Bundesliga-Handball zurück: "Eine Unverschämtheit. In den großen Hallen können doch gleichzeitig zwei Mannschaften trainieren!"

Alles in allem sieht die Handball-Zukunft momentan wenig rosig aus. Auch wenn am Mittwoch das erste Länderspiel in der Stormarnhalle stattfindet. Dort trifft die Juniorinnen-Auswahl auf Dänemark.

Ahrensburger Zeitung vom 30.10.1995

Kein Debakel der VfL - Frauen
22:25 der Handballerinnen gegen Juniorinnen - Nationalteam

"Solange wir kräftemäßig auf der Höhe waren, haben wir gut mitgehalten", war Trainer Claus Schilk mit der Leistung seines Teams zufrieden. Nur zwei Tage nach dem Punktspiel gegen Germania List unterlagen die Stormarnerinnen in der Sportschule Sachsenwald in Wohltorf in einem Testspiel der deutschen Juniorinnen - Nationalmannschaft mit 22:25 Toren.

Vor allem in der ersten Halbzeit boten die Oldesloerinnen mit nur acht Feldspielerinnen sehenswerte Spielzüge. "Wir waren ohne den Druck, unbedingt gewinnen zu müssen. Und das hat dazu geführt, daß wir wirklich schöne Tore herausarbeiten konnten."

Die Folge: In der ersten Halbzeit brachte Lisa Lüken ihr Team mit 1:0 in Führung und leitete damit eine Serie ein. Bis zur 20. Minute lagen die Stormarnerinnen gegen das Nationalteam jeweils mit 2 oder 3 Toren in Front. Doch dann erlitt Mannschaftsführerin Zsuzsa Nyari einen Hexenschuß und konnte nicht mehr spielen. "Das war der Knackpunkt im Spiel und die Juniorinnen übernahmen die Führung."

Nach dem Seitenwechsel machten sich schließlich die Anstrengungen der vergangenen Partien bemerkbar. "Wir hatten konditionelle Probleme und konnten nicht mehr richtig mithalten." Trotzdem ließen sich die VfL - Frauen nicht überrennen und unterlagen mit nur drei Toren Rückstand.

Stormarner Tageblatt vom 1.11.1995

Das deutsche Team deklassiert
Dänemark gewann Juniorinnenspiel 29:21
Lob der Oldesloer Organisation

Peter Ammann, Trainer der deutschen Juniorinnen National-Mannschaft, war nach dem Spiel in der Stormarnhalle voll des Lobes. Allerdings nicht über die Leistung des eigenen Teams. Das nämlich hatte von dem Gegner aus Dänemark eine wahre Handball-Lektion erteilt bekommen und eine deftige 21:29 Niederlage kassiert. Angetan war der Nationalcoach von der Organisation des Spiels und des Trainingslagers in Stormarn durch den VfL Oldesloe. "Am liebsten würde ich hier auch die nächsten Lehrgänge und Spiele mit meinem Team bestreiten," lobte er VfL-Manager Claus Schilk und dessen Crew und versprach, Bad Oldesloe bei seinem Verband für weitere Länderspiele - auch des A-Teams - zu empfehlen.

Stormarner Tageblatt vom 3.11.1995

Schiedsrichter verpfiffen den VfL
22:22 gegen den TSV Hastedt
Oldesloerinnen gaben die Laterne wieder ab

Der VfL Oldesloe hat die rote Laterne, in deren Besitz er durch die Aberkennung der Punkte seiner ersten beiden Siege (in Marne und Oldenburg/Holstein) unverhofft geraten war, wieder abgeben können. Nach einer hochdramatischen Begegnung trennten sich die Stormarnerinnen vom TSV Hastedt Bremen mit einem 22:22 Unentschieden. Über weite Strecken hatte der VfL, der auf seine verletzte Mannschaftsführerin Zsuzsa Nyari verzichten mußte - die Ungarin coachte das Team temperamentvoll von der Bank - in der Begegnung vor kaum mehr als 200 Zuschauern die Nase vorn. Am Ende aber hätten die Oldesloerinnen auch mit leeren Händen dastehen können.

Claus Schilk wußte denn, ob er das Remis am Ende als Punktverlust oder -gewinn einordnen sollte. "Gemessen an der Leistung von den ersten fünfzig Minuten ist das Resultat sicher für uns eine Enttäuschung. Aber wenn man gesehen hat, wie uns die Schiedsrichter in den letzten 10 Minuten benachteiligt haben, dann können wir wohl von Glück sagen, wenigstens einen Punkt gerettet zu haben", zog er eine gemischte Bilanz.

In der Tat: Das Gespann Hauke/Jansen, das 50 Minuten lang unauffällig, aber berechenbar und konsequent gepfiffen hatten, urteilte plötzlich mit zweierlei Maß. Folge: der VfL spielte in den letzten 10 Minuten überwiegend in Unterzahl, weil die Unparteiischen Oldesloer Spielerinnen regelmäßig mit Zwei-Minuten-Strafen bedachte, während sie es auf der anderen Seite in vergleichbaren Situationen bei Ermahnungen beließen.

Besonders abgesehen hatten sie es dabei auf Marion Werner und Eike Lange. Insbesondere die letzten beiden Strafen gegen Marion Werner waren nicht vertretbar. Überhaupt entsprach ein Zeitstrafen-Verhältnis von 5:1 zugunsten der Stormarnerinnen nicht dem Geschehen auf dem Platz. Beide Teams standen sich in Einsatz und Härte nicht nach.

Bedenklich beim VfL war, daß die Mannschaft in beiden Halbzeiten nach 20 guten Minuten offensichtlich konditionell einbrach und drei-Tore-Führungen verspielte.

Insgesamt aber überwogen die positiven Ansätze. Überragende Spielerin war Torhüterin Annette Schümann. Erstmals für die indisponierte Silke Schwöbken (Migräne) eingesetzt, zeigte sie ganze Serien großartiger Paraden. In prächtiger Form waren auch Ivonne Grimm, Eike Lange und Jeanette Rochelmeyer. Auch Lisa Lüken und Kathrin Behnke enttäuschten nicht. Marion Werner könnte effektiver sein, wenn sie sich weniger in Kleinkriege hineinziehen ließe. Birthe Wede fehlt es oft an Selbstvertrauen und Birgit Walter muß mit ihren Würfen variabler werden, um erfolgreich zu sein.

Stormarner Tageblatt vom 6.11.1995

VfL wieder im sicheren Fahrwasser
Klarer 24:19 Erfolg der Oldesloer Handball-Damen gegen MTV Wandsbek 72

Die Handballerinnen des VfL Oldesloe befinden sich wieder in sicheren Gefilden in der 2. Liga. Gegen Wandsbek 72 blieben sie mit einem 24:19 im vierten Spiel in Folge unbesiegt und verbesserten sich mit nun 7:9 Punkten ins Mittelfeld der Tabelle. Den Schock vom Punktabzug hat das Team offensichtlich vollständig überwunden.

Der Sieg stand eigentlich zu keinem Zeitpunkt in Frage. Über 12:5 wurde der Vorsprung kontinuierlich ausgebaut. Nach dem zwischenzeitlichen 12:8 wurde bis zur Pause das alte Kräfte-Verhältnis bei einem Zwischenstand von 14:8 wieder zurechtgerückt.

In der 44. Minute hatte die Führung beim 20:11 seinen höchsten Stand. Anschließend ließ man es ruhiger angehen, ohne jemals in Schwierigkeiten zu geraten.

Auf der Bank teilten sich Zsuzsa Nyari (die erstmals nach ihrem Hexenschuß wieder spielen konnte) und Herr Meyer das Coaching. Beide werden wohl auch in Zukunft die sportlichen Geschicke der Mannschaft in Training und Spiel in den Händen behalten. Claus Schilk, (am Samstag nicht in der Halle), will sich aus diesem Bereich künftig ganz raushalten.

Ob er das Management in vollem Umfang weiter abdeckt, ist offen. Er hat erklärt, das Team nicht fallen lassen zu wollen, ist aber andererseits verärgert über eine Abmahnung von Seiten des Gesamtvereins. Die beanstandet den in einem Programmheft erhobenen Vorwurf, bei der Beschaffung von weiteren Hallenzeiten für die Handballer nichts getan zu haben. Bei der Stellungnahme allerdings hatte Claus Schilk die volle Rückendeckung seiner Abteilungsleitung, wurde aber allein dafür abgestraft.

Stormarner Tageblatt vom 20.11.1995

Trainer-Ära Schilk vor dem Ende?

Das neue "Wir-Gefühl" beim VfL Oldesloe hat allerdings eine tiefere Ursache als die Bestrafung durch den DHB. Claus Schilk, der langjährige "Macher", läßt sein Traineramt auf unbestimmte Zeit ruhen. Offiziell hat er Urlaub genommen, um den Umbau seines Hauses und den bevorstehenden Umzug Umzug voranzutreiben. Intern gilt seine Rückkehr als Trainer als eher unwahrscheinlich. Unüberbrückbare Differenzen zwischen ihm und der Mannschaft hatten in den vergangenen Wochen für reichlich Zoff gesorgt.

Mangels Zeit, warfen ihm die Spielerinnen vor, habe er sich nicht vernünftig auf die Übungsabende vorbereiten können. Konditionelle Probleme, aber auch spielerische Defizite seien die logische Folge gewesen. Als auch noch der von Schilk zu verantwortende Punktabzug hinzukam (er hatte darauf bestanden, daß der gesperrte Neuzugang Martina Kattner spielen dürfe), war für viele das Maß voll.

Erschwerend kam hinzu, daß das Verhältnis zwischen Schilk und einigen Leistungsträgerinnen seit dem Frühjahr 1994 angespannt ist. Damals hatte er im Streit das Traineramt hingeworfen, aber nach einer kurzen Übergangsperiode mit Otto Sternberg einen allseits beliebten und geschätzten Coach verpflichtet, der für viele Spielerinnen ein Grund war, sich dem VfL Oldesloe anzuschließen. Als Sternberg dann im Juni überraschend zum Buxtehuder SV wechselte, übernahm Schilk, der sich dahin mit viel Erfolg und hohem Zeitaufwand um Management und Sponsorensuche gekümmert hatte, in der Not erneut auch noch das Traineramt. "Das war der größte Fehler von Claus, daß er diese Mannschaft noch einmal trainieren wollte", urteilte Roswitha Bein aus der Distanz. Die langjährige Spielmacherin, die wegen ihres Jura-Examens pausiert, sah sich gemeinsam mit Ex-Torhüterin Alexandra Hoffmann den Sieg über Wandsbek an.

Doch nicht allein zwischen Mannschaft und Trainer gärt es. Der Vorstand des VfL Oldesloe kanzelte Schilk schriftlich mit rüden Worten ab, weil der Manager im Auftrag der gesamten Handball-Abteilung im Programmheft öffentlich darauf hingewiesen hatte, daß es an Hallenzeiten mangele. Obwohl diese Kritik in moderater Form erfolgte, grenzte sie beim Vorstand offenbar schon an Majestätsbeleidigung.

Schilk reagierte tief verletzt und überlegt sogar seinen Austritt aus dem Verein. Doch ohne Schilk und seine Verbindungen zu den Sponsoren, da sind sich alle Verantwortlichen einig, ist das Unternehmen zweite Bundesliga schwer denkbar. Schon jetzt deuten sich finanzielle Probleme an, weil der Zuschauerschnitt unter den Erwartungen liegt. "Ich werde niemanden hängen lassen", versprach Schilk.

Im sportlichen Bereich hat der VfL nun zwei Wochen Zeit, die Trainerfrage zu lösen.

Ahrensburger Zeitung vom 20.11.1995

Handball-Krise beim VfL Oldesloe
Bruch zwischen Trainer Schilk und Verein

Schnell und erfolgreich haben sich die Frauen des VfL Oldesloe aus der Abstiegszone der 2. Liga befreit. Dennoch schwelt eine Führungskrise, die den Fortbestand des Zweitliga-Handballs gefährden könnte. Daran änderte die überzeugende und begeisternde Vorstellung gegen Wandsbek nichts.

Im Zentrum des vielschichtigen Konflikts steht Claus Schilk, bei dem bisher als Trainer und Manager fast alle Fäden zusammenliefen. jetzt steht der Bruch zwischen ihm und dem Verein unmittelbar bevor. Dem VfL-Vorsitzenden Walter Busch teilte er gestern schriftlich seinen Austritt aus dem VfL Oldesloe mit und kündigte an, sein Engagement einzustellen.

Der Streit mit dem Vorstand ist nur die Spitze des Eisberges. Schilk, wegen dem Umbaus seines Hauses und dem bevorstehenden Umzug zeitlich stark eingespannt, hatte zuletzt offiziell Urlaub genommen ("ich muß kürzer treten"). Seine Rückkehr ins Traineramt scheint ausgeschlossen. Denn auch die Spielerinnen machen intern Front gegen ihren Coach, weil er sich nicht immer optimal auf die Übungsabende vorbereitet hatte.

Konditionelle und spielerische Defizite waren die Folge. Zudem erwies sich Schilks einjährige Sperre als Trainer als ernsthaftes Handicap, weil er bei den Punktspielen - wie er selbst einräumte - "zu weit weg vom Geschehen auf der Bank sitzt". Zusätzlich muß er sich den Abzug der vier Punkte ankreiden, weil er das DHB-Reglement nicht aufmerksam studiert hatte. "Claus ist ein lieber Kerl, aber er hat zur Zeit einfach zuviel um die Ohren", sagte Birthe Wede.

Nicht alle Akteurinnen teilen diese positive Einschätzung seiner Person!

Lübecker Nachrichten vom 22.11.1995 von Werner Heuer

Claus Schilk zieht Schlußstrich
Oldesloer Handball-Trainer erklärt den Vereinsaustritt aus dem VfL Oldesloe

Der Schlußstrich ist gezogen: nach seinem Rücktritt vom Traineramt hat Claus Schilk jetzt auch seine Vereinszugehörigkeit beim VfL Oldesloe aufgekündigt. "Ich habe privat zur Zeit so viel um die Ohren, da habe ich nicht auch noch die Kraft, mich stundenlang mit allen möglichen Leuten auseinanderzusetzen", begründete er seinen Entschluß. In einem Schreiben teilte er dem Vereinsvorsitzenden Walter Busch jetzt mit, sein Engagement beim VfL einzustellen.

Ob er damit auch seinen Einsatz in der OSM aufgibt, ist noch unklar. "Darüber kann ich im Moment noch gar nichts sagen", ist er bislang unentschlossen.

Tatsächlich scheint der Graben zwischen Schilk und dem Gesamtverein unüberwindbar groß. Im Programmheft hatte sich der Trainer über die fehlende dritte Hallenzeit beklagt.

Ganz anderer Meinung ist hingegen Walter Busch: "Wir geben ja zu, daß es im Moment schwierig ist, aber an die Öffentlichkeit zu treten und uns vorzuwerfen, daß wir uns nicht bemühen würden, ist einfach unfair. Ich habe ganz klar gesagt, daß ich weiter für eine Bundesliga-Mannschaft im VfL bin." In mehreren Sitzungen hätten sich Vorstand und VfL-Abteilungsleiter um eine Lösung bemüht, "das weiß auch Herr Schilk, der bei einer Sitzung sogar persönlich dabei war."

Doch für Claus Schilk gilt nur das Ergebnis - und da hat sich in der Tat von offizieller Seite noch nichts ergeben. allerdings haben sich die VfL-Handballer intern geeinigt, mit dem Resultat, daß das Bundesliga-Team eine zusätzliche Hallenzeit gemeinsam mit der vierten Damen-Vertretung nutzt.

Stormarner Tageblatt vom 23.11.1995

Ratlosigkeit in der Handballabteilung des VfL Oldesloe
Mischt Claus Schilk doch weiter mit?

Als Schlußstrich oder den Anfang vom Ende des Bundesliga-Handballs sehen die Verantwortlichen des VfL Oldesloe den Vereinsaustritts ihres bisherigen Trainers und Machers Claus Schilk keineswegs an. "Es herrscht in der Führung momentan ein gewisser Schwebezustand. Da werden noch einige Gespräche zu führen sein", räumt Spartenleiter Jürgen Dorn ein, "aber sportlich geht es bergauf. Das Damenteam ist mit Begeisterung beim Training."

In diesem Zusammenhang erneuerte Jürgen Dorn die Kritik an der derzeitigen Hallensituation: "Die Bundesligamannschaft hat nur eine Trainingszeit pro Woche für sich allein, das reicht auf Dauer nicht", sagte Dorn, "in diesem Punkt hatte Claus Schilk Recht mit seiner Kritik." Während Dorn weiterhin auf Abhilfe seitens des Vorstands hofft, hatte Schilk seine Vereinsmitgliedschaft quittiert.

Dorn sieht jedoch noch keinen Anlaß, völlig auf Schilks Hilfe und ratschläge zu verzichten. Er geht davon aus, daß zumindest im Rahmen der OSM weiter eine gewisse Zusammenarbeit geben wird. Seine Aufgaben hier wurden noch nicht auf andere Schultern verteilt.

Die sportliche Geschicke beim VfL leiter zur Zeit Mannschaftsführerin Zsuzsa Nyari. Die Gestaltung und Herstellung des Programmheftes bei Heimspielen hat Schatzmeister Holger Orlowski übernommen.

Auch Schilk selbst wollte nicht grundsätzlich ausschließen, künftig noch beratend im Hintergrund den Handball-Verantwortlichen zur Seite zu stehen. "Jürgen Dorn und Holger Orlowski haben sich mir gegenüber stets hochanständig verhalten", sagte Schilck, "vor allem, als der DHB uns aufgrund meines Fehlers die vier Punkte abgezogen hat."

Diese moralische Unterstützung vermißte der 44jährige bei anderen in der Abteilung. "Es war schon heftig, wie einige über mich hergefallen sind", sagte Schilk, "da kommt man irgendwann ins Zweifeln." Was den Ex-Trainer besonders nachdenklich stimmte, waren nächtlicher Telefonterror und drei zerstochene Autoreifen, kurz nachdem der Punktabzug publik wurde.

Während seines 7jährigen Engagements für den VfL-Handball hatte Schilk viele Konflikte gesucht und durchgestanden, oft frei nach dem Motto, "man kann kein Omelett backen, ohne ein Ei zu zerschlagen". Dabei schoß er mit seinen Umgangsformen manchmal über das Ziel hinaus, nutzte auch die Presse für seine Interessen. Als im Frühjahr 1994 ein Boulevard-Blatt, offenkundig auf Schilks Anregung, die Stadtverwaltung stark kritisierte, rief dies damals Bürgermeister Achterberg auf den Plan, der öffentlich die "Amokläufe des Herrn Schilk" beklagte und fortan jeden Kontakt mit ihm mied. Der Streitpunkt damals - Hallenzeiten für das Bundesliga-Team während der Ferienzeiten.

Ahrensburger Zeitung vom 27.11.1995

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