Handball-Echo - Ausgabe 12

  • April 1979 - die weibliche Jugend des VfL Oldesloe wird zum ersten Mal Deutscher Meister - ein sensationeller Erfolg für den Verein und Beginn einer erfolgreichen Ära im Jugend- und Damenhandball.
  • März 1999 - exakt 20 Jahre später - der VfL Oldesloe steht vor einem Scherbenhaufen.

Vernachlässigte Jugendarbeit und finanzieller Kollaps - das Ende des Leistungshandballs in Bad Oldesloe steht kurz bevor. Es würde den Rahmen sprengen, hier auf alles eingehen zu wollen, was dazu geführt hat, den Verein in diese auswegslose Situation zu bringen. Aber auf die letzten Monate werde ich ein wenig eingehen.

Mein erstes bewußt erlebtes Frauen (Jugend) - Handballspiel in Bad Oldesloe (neben den Spielen auf der Teerplatte auf dem Exer) war das oben erwähnte Ereignis. Ich erinnere mich noch gern an diesen Tag, wie ich nach Spielende ein Mannschaftsfoto erstellte, in meine Dunkelkammer marschierte und am gleichen Nachmittag für jede Spielerin ein Foto entwickelte. Seit diesem Zeitpunkt bin ich aktiv dabei, ein Fan dieser Sportart, nachlesen kann man all diese Ereignisse aus den vergangenen Jahren auf unserem Internetauftritt.

Die Saison 98/99 ist leider nur ein Ergebnis einer völlig verkorksten Saison 97/98. Damals wollte Manager Koslowski ohne Rücksicht auf Verluste sein Ziel erreichen, den Aufstieg in die 1. Liga. Dazu wurden Spielerinnen verpflichtet, die nicht nur ergänzen sondern auch führen konnen. Aber sie kosteten viel Geld, sehr viel Geld, Geld, das nicht vorhanden war. Anja Kramer bot sich in ganz Schleswig-Holstein an, die finanziellen Forderungen wurden mir von verschiedenen Trainern und Managern der 2. Liga genannt, unser Manager unterbreitete wohl das attraktivste Angebot. Ein Sponsor zahlte, wer immer das auch war (auf keinen Fall die OSM), nicht einmal der eigene Verein konnte Auskunft geben, wer dahinter stand!. Dann kam Birthe von Jagow plötzlich dazu, die noch ein Jahr in Schleswig-Holstein verweilen konnte, bevor sie aus persönlichen Gründen nach Bonn wechselte, sie war selbstverständlich herzlich willkommen in Bad Oldesloe und auch die Wechselabsichten von Marion Werner zerschlugen sich aufgrund zu hoher finanzieller Erwartungen. Plötzlich waren da 14 Spielerinnen, die einen Haufen Geld kosteten. Neue Sponsoren waren nicht erkennbar und so durfte man schon im November der letzten Saison feststellen, daß Anspruch und Wirklichkeit ziemlich weit auseinander klafften, es war kein Geld mehr vorhanden!!

Die OSM sprach mehrere Personen an, die helfen sollten, Sponsoren zu akquirieren. Eine Präsentationsmappe der Mannschaft wurde erstellt, aber viele Firmen hatten ihren Etat bereits verplant. An rettende Großsponsoren war nicht zu denken, es gab auch keinen Werbeplatz mehr auf dem aktuellen Trikot. So schleppte man sich über die Runden, irgendwie kamen Gelder aus unbekannten Quellen hinzu und niemand wußte, wo sie herkamen. Die Spielerinnen mußten immer wieder auf ihre Bezüge warten. Genaue Zahlen kann niemand nennen, eine Bilanz gibt es ja nicht. Nur die Presse brachte um die Jahreswende eine Zahl ins Spiel, die noch zu klein war - man nannte DM 220.000,-. Wütende Briefe des Bundesligabeauftragten an die Sponsoren, in denen er sich von dieser Zahl distanzierte und von soliden Verhältnissen sprach. Der Manager sprach sogar von Rufmord und Falschmeldung

Hilflose Erklärungsversuche von Seiten des Managers und der OSM. Irgendwie ging die Saison vorbei und häufig hörte man von der OSM die Aussage „Eigentlich müssten wir schon lange aufhören!“. Aber niemand sprach es laut aus, die Angst vor einer unpopulären Entscheidung lähmte die OSM. Dann wurden die ersten Gelder für die neue Saison von den Sponsoren überwiesen und Rechnungen der alten Spielzeit konnten beglichen werden. Der Manager hatte finanziell nichts Neues zu berichten und zu allem Überfluß wurde der Vertrag mit Citroen völlig sinnlos gekündigt. Gleichzeitig orderte man fünf Autos bei der Travag in Bad Oldesloe, auch ohne irgendwelche Zwänge. So begannen die Probleme zu eskalieren. Die OSM hatte längst keinen Überblick mehr und schlitterte von einem Unglück in das nächste. Die Spielerinnen wurden vom Manager vorgeführt und vorsätzlich belogen. Angeblich geplatzte Schecks von Sponsoren, ganz plötzlich abgesprungene Sponsoren, etc. etc.. Hochachtung vor der Mannschaft, daß sie trotzdem weitergemacht hatte. Dann die Geschichte mit Erzika Bakai. Sie wurde zu einem Zeitpunkt verpflichtet, als die Mannschaft schon lange keine Gelder mehr gesehen hatte. Und es kursierten Gerüchte über die Höhe des Entgeldes, da gab es keine Chance mehr zu einer vernünftigen Zusammenarbeit zwischen Mannschaft und Erzika. Der angebliche Sponsor sprang ab (offensichtlich hatte ein betuchter Handballfan aus Leezen die Zusage für eine finanzielle Unterstützung gegeben, als sich aber nach Wochen niemand mehr vom VfL gemeldet hatte, wurde es auch diesem Sponsor zu dumm und hatte das Interesse verloren. Jürgen Dorn vertraute dem Manager und unterschrieb den Vertrag mit dem Spielervermittler. So blieben hohe Kosten bei der OSM, kein Pfennig kam jemals von außen hinzu!!)

Es gab schon im Herbst keine Basis mehr zwischen Mannschaft und OSM und die ganze Dramatik kam im Januar zum Ausbruch. Noch im Dezember beim letzten Heimspiel verkündete der Manager lauthals auf bekannte Art - es wird auch in den kommenden Jahren Bundesligahandball in Bad Oldesloe geben und Birgit Walter als Mannschaftsführerin sagte im Namen der Mannschaft: „Egal was passiert, wir spielen die Saison zuende.“ Die letzten Freunde des Managers durften noch einmal ihre Verbundenheit mit einer kleinen Showeinlage darstellen und DM 500,- an die OSM spenden, aber da war schon alles zu spät. Im Januar bat Zsuzsa fünf Personen ihres Vertrauens, zu retten, was noch zu retten ist, aber eine reelle Chance hatten wir nicht. DM 70.000,- Sponsorengelder waren bereits ausgegeben, die Kosten bis zum Ende der Saison beliefen sich auf DM 130.000, Einnahmen waren keine mehr zu erwarten. Der VfL Oldesloe bezahlte mit einem zinslosen Kredit in Höhe von DM 25.000,- die Bezüge der Spielerinnen bis Ende Januar. Der Manager war schon lange nicht mehr dabei, die Mannschaft kündigte an, nicht aufzulaufen, sollte er in der Halle sein. Als letztes Geschenk griff er noch einmal ganz ganz tief in seine Märchenkiste. Ein Hauptsponsor wollte kurzfristig über 8-10.000.- DM nachdenken. Auf Nachfrage ergab sich natürlich, daß es sich um ein Windei handelte. Und dem VfL-Vorstand wurden zwei Sponsoren aus Lübeck vorgejubelt, die jeweils DM 10.000.- geben wollten. Rechnungen wurden geschrieben, aber es passierte nichts. Nachträglich wurde dieser Manager vom VfL-Vorstand entlassen. Das diese finanziellen Probleme der laufenden Spielzeit mit der kurzfristigen Vertagsauflösung von Seiten seines Arbeitgebers zu tun haben, sind vielleicht nur Gerüchte, die Art und Weise, wie er versucht hat, Freunde und Geschäftspartner in Lübeck zu demütigen und zu hintergehen, die sind reell und beweisbar.

In Bad Schwartau hinterließ er vor einigen Jahren DM 60.000,- Schulden, er hat dazugelernt, hier schaffte er schon die doppelte Summe. Jetzt möchte er noch Sönke Schulenburg verklagen, der als Redakteur der Ahrensburger Zeitung Tatsachen berichtet hatte. Sollte es dazu kommen, können wir vielleicht nachvollziehen, woher all die Gelder gekommen sind, mit denen die letzten Jahre bezahlt wurden. Wie sagte doch immer die OSM:“ Wir wissen nicht, woher das Geld kommt, aber bisher hat er es immer irgendwie besorgt!“ Jetzt naht das Ende. Rossi, Eike, Piet und Sandra haben die Mannschaft verlassen. Steffi bleibt in Oldesloe, wenn wir eine Mannschaft zusammenbekommen, alle anderen möchten nur noch die Saison beenden und spielen dann in anderen Vereinen. Was danach kommt, steht in den Sternen. Mit den Sponsoren haben wir gesprochen, sie kennen die Situation und bleiben unsüberwiegend treu. Wenn wir keine Lizenz beantragen, geht es maximal in der Oberliga weiter. Aber ohne Spielerinnen ist auch das undenkbar.

20 schöne Handballjahre sind vorbei, viele Fans werden sehr traurig sein.

Quelle: Handball-Echo - Ausgabe 12

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